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Genau! Ich wusste doch, dass ich es weiss!






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Christian Bachmann

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Ein gutes Gedächtnis ist kein Geschenk, sondern Übungssache. Gelegenheit zum Training gibt es rund um die Uhr.

Am wichtigsten ist eine wache Aufmerksamkeit. Sie sorgt für starke Eindrücke. Nur was Eindruck macht, bleibt auch im Gedächtnis haften. Um etwas wieder aus dem Gedächtnis abzurufen, ist eine lockere, entspannte Haltung am besten. Stress blockiert dagegen den freien Fluss der Gedanken. Da wollen einem Dinge, die man doch ganz bestimmt weiss, plötzlich nicht mehr einfallen.

«Wie war doch gleich Ihr Name?»

Zum Beispiel, wenn Ihnen plötzlich eine Person begegnet, die Sie kennen, nur der verflixte Name will Ihnen partout nicht einfallen. Keine Panik, denn erstens passiert das allen Menschen ab und zu. Zweitens haben Sie den Namen nicht vergessen, wie Sie vielleicht befürchten, sondern er ist nur momentan blockiert - nicht zuletzt durch Ihren angestrengten Versuch, sich um jeden Preis zu erinnern.

Die Erinnerung verbindet Gedanken, die oft unbewusst sind. Sie lassen sich aktivieren, indem man die Gedanken frei laufen lässt. Das heisst: Nicht mehr an den Namen denken, sondern sich ganz auf die Person konzentrieren. Kommt es zu einem Gespräch, ist der Name meistens rechtzeitig da. Wenn nicht, ist es auch keine Katastrophe. Eine lächelnd vorgebrachte Entschuldigung rettet die Situation immer, denn schliesslich hat jeder die Situation schon erlebt. Es ist für das Gegenüber geradezu wohltuend zu sehen, dass dies anderen auch passiert.

Gelegenheiten zum Namenstraining gibt es viele. Nutzen Sie zum Beispiel jedesmal die Gelegenheit, wenn Sie Bekannte von ferne sehen: Wie heisst er oder sie?

So können Sie sich einen Namen besser merken:

  • Seien Sie ganz aufmerksam, wenn eine Person sich Ihnen vorstellt oder vorgestellt wird.
  • Fragen Sie sofort nach, wenn Sie den Namen nicht richtig verstanden haben.
  • Wiederholen Sie den Namen im Laufe des Gesprächs einige Male.
  • Falls Ihnen die Schreibweise nicht klar ist, fragen Sie sofort und lassen sich den Namen wenn nötig buchstabieren.
  • Schreiben Sie den Namen bei nächster Gelegenheit auf.
  • Ordnen Sie den Namen ein, zum Beispiel nach der Gegend, in der er verbreitet ist, oder nach gleich oder ähnlich heissenden Personen, die Sie bereits kennen.
  • Bilden Sie eine «Eselsbrücke»: Bringen Sie den Namen mit irgend etwas in Verbindung, das eine konkrete Bedeutung hat. Aber suchen Sie nicht zu weit, sonst wird Ihnen die Brücke später kaum helfen.

Konzentration ist (fast) alles

Einer der grössten Feinde für das Gedächtnis ist die Überflutung mit Reizen. Fast dauernd wird der moderne Mensch mit Eindrücken berieselt - Hintergrundmusik am Radio, Gesprächskulisse im Grossraumbüro, Hektik am Telefon, kaum zu verdauende Informationsflut am Bildschirm und in der Zeitung. Die meisten Menschen schützen sich dagegen, indem sie abschalten und viele Informationen gar nicht tiefer eindringen lassen, um sie nicht verarbeiten zu müssen. So dringt es gar nicht erst in den Gedächtnisspeicher vor, sondern wird ganz einfach vergessen. Eine Flut von «Eindrücken» macht also überhaupt keinen Eindruck. Alles, was bloss an der Oberfläche bleibt, fordert das Gedächtnis nicht.

Erfolgreiches Gedächtnistraining setzt genau an diesem Punkt an. Es ist entscheidend, von einer Sache so fasziniert zu sein, dass man sich voll auf sie konzentriert. Dabei tritt anderes automatisch in den Hintergrund. Oft wird man auch vieles bewusst abschalten müssen, um sich konzentrieren zu können.

Konzentration heisst, möglichst viele Sinne auf eine bestimmte Sache zu richten. Angenommen, Sie entdecken in einem Laden eine neue, Ihnen noch nicht bekannte Apfelsorte. Sie werden Farbe und Form des Apfels betrachten, seinen Namen auf dem Etikett lesen, sich einen zum Probieren geben lassen oder ein Pfund davon versuchsweise kaufen; Sie werden daran riechen, seinen Geschmack mit dem anderer Sorten vergleichen usw. So formt sich ein ganzer Strauss von Eindrücken, die in Ihrem Gedächtnis das Bild dieses Apfels formen. Je deutlicher dieses Bild ist, desto leichter werden Sie sich später erinnern.

Merkfähigkeit - die Leistung des Ultrakurzzeitgedächtnisses

Konzentration und Aufmerksamkeit öffnen alle Kanäle für die Sinne. Diese leiten Informationen über viele Nervenbahnen in das Gedächtnis, jedoch nicht direkt, sondern über eine Anzahl von Filtern. Diese sondern Unwichtiges gleich wieder aus und lassen es in den Bereich des Vergessens fallen. Je nach Grad der Aufmerksamkeit werden aber mehr oder weniger Informationen in das Ultrakurzzeitgedächtnis gelangen und dort einige Sekunden lang gespeichert. So zum Beispiel Aufschriften auf Wegweisern, Nummern aus dem Telefonbuch, Durchsagen des Lautsprechers. Mit der Fähigkeit, sich wichtige Informationen mindestens einige Sekunden lang zu merken, beginnt das eigentliche Gedächtnis. Dieses besteht aus verschiedenen Stufen. Neben dem Ultrakurzzeitgedächtnis unterscheidet man heute das Kurzzeitgedächtnis für das Behalten während Minuten bis Stunden und das Langzeitgedächtnis, in dem Informationen lebenslang gespeichert sein können.

Wache Aufmerksamkeit, geschärfte Sinne und ein engagiertes Gefühl fördern die Leistung aller Gedächtnisstufen. Stark aufwühlende Erlebnisse, ob positiv oder negativ, können sekundenschnell ins Langzeitgedächtnis gelangen und dort einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Anderes bleibt, obwohl tausendmal wiederholt, für immer vergessen.

Wortfindung - die Fähigkeit, etwas aus dem Gedächtnis wiederzugeben

Das schönste Gedächtnis nützt nichts, wenn es nicht gelingt, die darin gespeicherten Informationen wieder abzurufen. Das wichtigste Mittel dazu ist die Sprache. Nur was sich in Worte fassen lässt, bleibt verfügbar. Dies gilt sogar für den Bereich der Gerüche, der nur schwer in Worte zu fassen ist. Die Geruchswelt ist jedoch eng geknüpft an Gegenstände oder Situationen, die bestimmte Gerüche erzeugen. So herrschen zum Beispiel in einem Spital Gerüche von Reinigungs- und Desinfektionsmitteln vor, in einer Garage sind es Dämpfe von Treibstoffen und Schmiermitteln.

Die Wortfindung ist ein selbständiges Element des Gedächtnisses. Dies wird spätestens dann deutlich, wenn man wieder einmal in der Situation steckt, etwas eigentlich genau zu wissen, nur will einem eben der Name oder Begriff nicht einfallen. Wie die anderen Gedächtnisleistungen arbeitet auch die Wortfindung stufenweise: Oft erinnert man sich zuerst an einen Anfangsbuchstaben oder an eine Endung, bevor einem das ganze Wort wieder einfällt.

Die Wortfindung hat oft wenig mit Logik zu tun. Sie gleicht eher dem zufälligen Wiederentdecken.

Trainingsmethoden für den Alltag

Auf dem Markt werden viele Bücher und Kurse angeboten, mit denen man angeblich ein Wundergedächtnis erlangen kann. Viele dieser Methoden eignen sich am meisten für Demonstrationen im Kursraum, sind jedoch im Alltag nur beschränkt anwendbar. Sie stützen sich meistens auf künstliche Eselsbrücken, in die man recht viel Zeit und Energie investieren muss. Diese verwendet man wohl besser, um das Gedächtnis im Alltag zu trainieren.

Gute Gelegenheiten dazu bieten sich zum Beispiel beim Warten am Bahnhof, im Tram oder Bus, beim Gang zur Arbeit usw. Sie konzentrieren sich auf eine bestimmte Farbe (z.B. rot), eine bestimmte Art von Gegenständen (z.B. Firmenschilder) oder eine bestimmte Art von Geräusch. Versuchen Sie möglichst viele Wahrnehmungen und Zusammenhänge in Worte zu fassen: Wie nennt man dieses bestimmte Rot? Wozu benötigt man diesen bestimmten Gegenstand? Wie stellt man ihn her, aus welchen Materialien besteht er usw.? Sie werden nicht nur Ihr Gedächtnis trainieren, sondern auch die Lust entdecken, die Welt mit neuen Augen zu sehen, mit neuen Ohren zu hören und mit vielen Sinnen zu erleben.

© Christian Bachmann

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