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Ewiges Eis in Gefahr






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Christian Bachmann

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Etwa ein Zwanzigstel der Landfläche in der Schweiz ist dauernd gefroren. Taut dieser Permafrost auf, drohen Erdrutsche mit Tod und Zerstörung. Ein neues Forschungsprogramm überwacht jetzt diese Entwicklung.

Seit über hundert Jahren überwachen Forscher die Gletscher in den Alpen und ziehen daraus ihre Schlüsse auf das Klima. Doch viel grösser ist die Fläche des Bodens, der das ganze Jahr über gefroren ist. Diesen dauernd (permanent) gefrorenen Boden nennt man Permafrost. Er kann trocken sein, aber auch Eis enthalten. Schmilzt dieses, kann der zuvor harte Boden ins Rutschen kommen.

Kaum bekannte Gefahr

Solche Katastrophen drohen häufiger zu werden, weil sich das Klima erwärmt. Wenn die Gletscher schmelzen, ist auch der Permafrost in Gefahr. Obwohl er für die Sicherheit in den Alpen sehr wichtig ist, weiss man noch viel zu wenig über seine Entwicklung. Deshalb hat die Akademie der Naturwissenschaften vor drei Jahren in der Schweiz das Programm PERMOS gestartet (Permafrost Monitoring Switzerland), eingebunden in ein europaweites Netzwerk, denn auch in anderen Bergregionen ist man von schmelzendem Permafrost bedroht.

PERMOS erfasst Temperaturen in bis zu 100 Meter tiefen Bohrlöchern, an der Oberfläche und unter der Schneedecke kontinuierlich über längere Zeit und wertet Luftbilder aus, um zu erfassen, wie sich die Verteilung des Schnees und andere Eigenheiten des Geländes im Lauf der Zeit ändern.

Lückenhafte Daten

Die längste Messreihe aus einem Bohrloch am Piz Corvatsch umfasst nur gerade fünfzehn Jahre. Das Loch ist 58 Meter tief und mit Temperaturfühlern in Abständen von je einem Meter ausgerüstet. Seit 1987 hat man die Temperaturen alle drei Wochen von Hand gemessen; seit 1993 werden die Daten täglich einmal automatisch erfasst.

Kann man trotz dieser zu kurzen Datenreihe schon sagen, wie sich der Permafrost in den Schweizer Alpen entwickelt? Schmilzt er? Dazu Daniel Vonder Mühll, der das Forschungsprogramm leitet: «Aus anderen Messdaten aus 100 Meter tiefen Permafrost-Bohrlöchern schliessen wir, dass in den letzten fünfzig bis hundert Jahren die Temperatur des Permafrostes ein halbes Grad bis zwei Grad angestiegen ist.»

Ist das gefährlich? Das kommt ganz auf die Lage an: «In Gebieten mit einer Bodentemperatur knapp unter dem Gefrierpunkt kann das schon ein Problem sein. Solche liegen an nördlichen Hängen in der Regel etwa oberhalb von rund 2000 Metern, an südlichen Hängen etwa oberhalb 3000 Metern.»

Im Untergrund

Permafrost ist von aussen nicht direkt sichtbar. Im Bohrloch am Corvatsch beginnt er in drei bis vier Metern Tiefe. Darüber liegt eine Bodenschicht, die im Sommer auftaut und im Winter wieder gefriert.

An der Oberfläche sind die jahreszeitlichen Schwankungen am stärksten. Sie hängen nicht nur von den Lufttemperaturen, sondern auch vom Schnee ab. Fällt früh viel Schnee, kühlt der Boden langsamer aus, und der Permafrost erwärmt sich. Bleibt der Schnee im Frühjahr lange liegen, erwärmt sich der Boden später, und der Permafrost kühlt sich ab. Je tiefer man in den Boden eindringt, desto kleiner und langsamer werden einerseits die Temperaturschwankungen, und desto wärmer wird es andererseits. Im Loch am Corvatsch ist es in 20 Metern Tiefe ziemlich gleichmässig –1,6 Grad kalt. An der untersten Stelle des Bohrlochs ist mit Temperaturen um den Gefrierpunkt die untere Grenze des Permafrostes erreicht.

© Christian Bachmann

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