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Philosophie im Alltag






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Christian Bachmann

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Philosophie stellt Fragen und sucht nach Antworten. Das ist ein Grundbedürfnis jedes Menschen. Akademisches Wissen braucht man dazu nicht.

«Ich weiss, dass ich nichts weiss.» Das soll der altgriechische Philosoph Sokrates einmal gesagt haben. Er galt bei seinen Mitbürgern als Weiser. Doch er pflegte zu antworten, weise sei er nicht, sondern er «liebe die Weisheit». Das ist nichts anderes als die wörtliche Übersetzung von «Philosophie».

Sokrates stellte alles in Frage, auch und gerade das, was man im Alltag als selbstverständlich betrachtet. In diesem Sinn sind alle aufgeweckten Kinder Philosophen.

Kinderfragen

Wie viele Sterne gibt es? Woher kommen die Wellen? Warum weht der Wind? Wir alle haben als Kind solche und ähnliche Fragen gestellt. Jede Antwort hat neue Fragen aufgeworfen, bis dann die letzte Antwort kam: «Eben darum! Genug jetzt!»

Für geplagte Eltern gibt es inzwischen Bücher, die Kinderfragen zu beantworten versuchen. Viele dieser Erklärungen sind naturwissenschaftlich: Der Wind weht, weil warme Luft leichter ist als kalte und deshalb aufsteigt und am Boden kalte Luft nachfliesst. Doch weil jede Antwort neue Fragen aufwirft, kommt man am Schluss unweigerlich zu den so genannten letzten Fragen: Wo liegt die Grenze des Weltalls? Gibt es einen Anfang der Zeit? Wer bin ich? Was geschieht mit mir nach meinem Tod?

Unendlichkeit

Solche Gedanken können Schwindel erregen – etwa wenn man versucht, sich die Weiten des Universums oder die Zahl «unendlich» vorzustellen. Auf der anderen Seite betrachten wir eine Kreislinie und haben keine Mühe zu begreifen, dass sie «unendlich» ist, das heisst ohne Anfang und ohne Ende. Unser Denken ist offenbar so etwas wie ein Werkzeug, das für gewisse Aufgaben gut geeignet ist, für andere aber weniger gut. Damit befasst sich die Erkenntnistheorie, eine der vielen wissenschaftlichen Richtungen der Philosophie.

Selber denken macht schlau

Im Alltag geht es aber meistens um andere Grundfragen: Was ist gut? Was ist wahr? Was soll ich tun? Altmeister Sokrates hat eine Methode entwickelt, mit der man solche Fragen mit Erfolg angehen kann. Getreu seinem Motto, nichts zu wissen, hat er Fragen gestellt, um seine Gesprächspartner zum Nachdenken anzuregen. Man nennt das auch die «Geburtshelfermethode». Sie ist so erfolgreich, dass auch die Verkäufer die sokratische Methode kopiert haben. Sie stellen eine Reihe von Fragen, die den Kunden auf eine «Ja-Strasse» führen: Sie wollen gute Qualität? Sie wollen einen fairen Preis? Darf ich Ihnen also das Produkt X empfehlen? Am Ende kauft der Kunde, weil er selber auf die Idee gekommen ist – allerdings sanft gelenkt vom Verkäufer.

Sokratische Gespräche

Auch Unternehmen, in denen schwierige Entscheidungen anstehen, wenden die sokratische Methode an. Sie ist inzwischen mit genau formulierten Regeln perfektioniert worden: In einem sokratischen Gespräch reden die Teilnehmer über ein begrenztes Thema, geleitet von einem meistens frei praktizierenden Philosophen. Ein sokratisches Gespräch dauert in der Regel einige Tage – im Rahmen einer Tagung oder in wöchentlichen Sitzungen über einen längeren Zeitraum.

Philocafés

In grösseren Städten und in Kurorten gibt es philosophische Cafés oder Hotels, wo man sich unter der Leitung eines Philosophen gemeinsam mit anderen Menschen in ein Thema vertiefen kann.

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