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Das Reh: ein wählerischer Wiederkäuer






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Christian Bachmann

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Das Reh liebt eine lichte, buschreiche Umwelt und hochwertige Nahrung. Im Wald begegnen wir nicht nur ihm selbst, sondern auch seinen Spuren.

Es ist immer wieder faszinierend, auf einem Waldspaziergang dem scheuen Geschöpf zu begegnen: Oft verharrt es eine Weile regungslos, um sich zu vergewissern, ob wir es bemerkt haben. Dann flieht es mit raumgreifenden, federnden Sprüngen und versteckt sich im nahen Gebüsch. Sein graziler Körper mit schmalem Brustkorb und nach oben gewölbter Wirbelsäule ist hervorragend angepasst an das Leben im Buschwerk und Unterholz.

Hochwertige Nahrung

Dort wachsen die saftigen Kräuter und spriessen die zarten Triebe, die das Reh als Nahrung benötigt. Sein Magen ist nämlich relativ klein und benötigt deshalb 8 bis 12 über Tag und Nacht verteilte Füllungen mit leicht verdaulicher, energiereicher Nahrung. Die wichtigsten Mahlzeiten (Äsungen) finden in der Abend- und in der Morgendämmerung statt. Wie bei allen Wiederkäuern ist auch beim Reh das Verdauungssystem so eingerichtet, dass es schnell grössere Nahrungsmengen aufnehmen und diese danach an einem sicheren Ort verdauen kann.

Ruheplätze und Fluchtorte

Zum Wiederkäuen suchen Rehe am liebsten eine Stelle auf, wo sie viel sehen können, ohne gesehen zu werden: Hügelkuppen oder locker bewaldete Hangkanten. Nachts lagern Rehe auch auf völlig offenem Gelände. Bei nahender Gefahr verlassen sie ihre offenen oder leicht bewaldeten Liegeplätze und flüchten in Dickichte. Diese sind oft so undurchdringlich, dass sich Rehe auch in einer Treibjagd kaum «aus dem Busch klopfen» lassen. Daneben benötigen Rehe auch Zufluchtsstätten, die sie bei strömendem Regen, Unwetter oder Schneegestöber aufsuchen können.

Fell- und Geweihwechsel

Rehe tragen im Winter ein graubraunes, im Sommer ein rötlich braunes Fell. An der Form des weissen Feldes (Spiegel) am Hinterteil kann man das Geschlecht erkennen: bei der Rehgeiss (Ricke) ist es herzförmig, beim Bock nierenförmig. Das ist vor allem in Winter wichtig, denn der Bock wirft sein Geweih jeden Herbst ab und baut es bis zum nächsten Frühjahr wieder auf. Das Geweih dient hauptsächlich als Waffe im Kampf der Rivalen um ein Revier und um die Gunst der Rehgeissen in der Brunftzeit, die im Juli und August stattfindet.

Lange Tragzeit

Die Rehkitze kommen erst im Mai oder Juni des folgenden Jahres zur Welt – nach einer extrem langen Tragzeit von 40 Wochen, was ungefähr der Dauer einer menschlichen Schwangerschaft entspricht. Gemessen an der Körpergrösse des Rehs wäre etwa eine halb so lange Tragzeit zu erwarten. Die Lösung dieses Rätsels liegt darin, dass sich das befruchtete Ei erst etwa vier Monate nach der Empfängnis, im Dezember, in der Gebärmutter einnistet und zu wachsen beginnt. Dank dieser Pause trifft die säugende Rehgeiss im Frühling und Sommer reichlich hochwertige Nahrung an.

Kinderstube

Neugeborene Kitze sind voll entwickelt und suchen sich selbständig einen Liegeplatz. Bei Gefahr ducken sie sich; ihr getüpfeltes Fell tarnt gut, und da sie noch keinen Eigengeruch haben, sind sie vor natürlichen Feinden gut geschützt. Die Rehgeiss sucht ihre Kitze jeweils nur kurz zum Säugen und zum Sauberlecken auf. Erst im Alter von zwei bis vier Wochen beginnen sie zu fliehen und ihrer Mutter zu folgen. Mutter und Kitz erkennen sich am Geruch und an Lauten. Schon bald beginnen Kitze Pflanzen zu fressen, wobei sie von der Mutter lernen, was gut und was unbekömmlich ist.

Rehe haben einen ausgezeichneten Geruchs- und Geschmackssinn. Dieser erlaubt es ihnen, die bestmögliche Nahrung zu finden und auszuwählen. Dank seitlicher Augenstellung haben sie ein relativ grosses Blickfeld. Sie können Bewegungen – zum Beispiel von nahenden Feinden – sehr gut wahrnehmen.

Spuren

Rehspuren erkennt man an den herzförmigen Hufabdrücken (Trittsiegeln) auf weichem Untergrund oder im Schnee. Rehkot (Losung) hat meistens die Form von länglichen, festen Pillen. Stämmchen und Zweige mit abgeschürfter Rinde, frisch im Frühjahr und Sommer, weisen auf das Revier eines Bockes hin. Zweige mit ausgefaserter Spitze sind ein Zeichen von Rehverbiss beim Äsen an Gehölzen.

© Christian Bachmann

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