SpacerLogo Leichtlesbar
Richtig streiten will gelernt sein






 © 2009-2014
Christian Bachmann

Powered by
Easy-Site ®


Streit gehört zu einer Beziehung wie das Salz in die Suppe. Richtig streiten heisst über Konflikte reden, den eigenen Standpunkt klar vertreten, dem anderen zuhören und nach einer konstruktiven Lösung suchen.

Zwei Frauen streiten sich um eine Orange. Keine will nachgeben und als Verliererin dastehen. So einigen sie sich auf einen scheinbar vernünftigen Kompromiss: Sie teilen die Orange. Die eine Frau schält ihre Hälfte, wirft die Schale weg und isst das Fruchtfleisch. Die andere Frau geht in die Küche, schält ihre Hälfte, wirft das Fruchtfleisch weg und verwendet die Schale für einen Kuchen.

Konfliktvermittler Mediatoren erzählen gerne diese kleine Geschichte, um ihren Kunden zu zeigen, worum es bei einem Streit eigentlich geht: einen Weg zu finden, der beide Seiten möglichst gut zufrieden stellt. Dazu müssen beide bereit sein, von ihrem Standpunkt abzurücken, und vor allem müssen sie miteinander reden.

Verlierer-Duell lohnt sich nicht

Im modernen Leben setzt sich immer mehr die Erkenntnis durch, dass es in einem Konflikt nicht darum geht, zu gewinnen oder zu verlieren. Ein solcher Kampf kann auch den Gewinner teuer zu stehen kommen, denn er bindet Kräfte und kostet Nerven. Ausserdem macht der Gewinner sich den Verlierer zum dauerhaften Feind, der sich irgendwann rächen könnte. Viele zerstrittene Parteien suchen deshalb nicht mehr den kostspieligen Weg vor die Schranken eines Gerichtes, sondern die Hilfe von professionellen Vermittlern oder Mediatoren. Nicht nur in der Wirtschaft, sondern auch bei Streit in der Familie und bei Scheidungen sind ihre Dienste gefragt. Erstens hat das neue Scheidungsrecht dazu beigetragen, das einvernehmliche Lösungen begünstigt. Zweitens haben viele gemerkt, dass ein gemeinsamer Mediator weniger kostet als je ein Anwalt für beide Parteien.

Darüber reden

Die erste und wichtigste Regel lautet: Streitpunkten nicht aus dem Weg gehen, sondern darüber reden. Wer um der Harmonie willen schweigt, staut innerlich Ärger und Wut an, die sich irgendwann entladen werden. Je schneller man darüber redet, desto leichter ist der Konflikt zu bewältigen. Konflikte gehören zu einer Beziehung wie das Salz in eine Suppe. Gute Beziehungen zeichnen sich dadurch aus, dass die Partner richtig miteinander streiten.

Fair bleiben

Richtig streiten bedeutet, den eigenen Standpunkt dem anderen gegenüber klar zu vertreten, aber dabei dem anderen offen zuzuhören. Wer versucht, den anderen zu verletzen und zu demütigen, wird nur wütende Gegenangriffe provozieren. Ein vergiftetes Klima schadet immer beiden Parteien.

Lösung suchen

Das Ziel eines Streites muss darin liegen, über ein Problem zu reden und eine Lösung zu suchen. Das wird nicht immer im ersten Anlauf gelingen. Wenn jedoch beide Seiten einander zuhören, dem anderen je einen Schritt entgegenkommen und vereinbaren, das Gespräch später fortzusetzen, dann ist schon viel gewonnen. Ist der erste Ärger einmal verraucht, wird es später sogar leichter sein, eine Lösung zu finden. Ähnlich wie beim Konflikt um die Orange wird es oft Lösungen geben, bei denen beide Seiten gewinnen.

Wutausbrüche

Wenn der andere schreit und tobt, soll man seine Worte nicht zum Nennwert nehmen. Nicht zurückschreien, sondern ihn fragen, warum er sich aufregt. Das beruhigt erst einmal die Situation. Im Weiteren wird der Partner, nachdem er sich wieder beruhigt hat, auch seinerseits eher zuhören.

© Christian Bachmann

zurück