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Interview mit Fitness-Arzt Dr. Berry






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Christian Bachmann

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«Lebensstil ändern, und das Herzinfarkt-Risiko sinkt unglaublich»

Dr. med. Peter R. Berry ist Internist mit Zusatzausbildung in Gesundheitsförderung und Fitnessberatung in den USA. Er leitet ein unabhängiges Institut für Sport- und Präventivmedizin in St.Moritz und betreut das alpine Höhentraining vom Herzpatienten bis zum Hochleistungssportler.

EVIDENZIA Info: Immer wieder fühlen sich Menschen jahrelang gesund, treiben sogar gelegentlich Sport, und dann trifft sie der Infarkt wie ein Blitz aus heiterem Himmel. Wie kommt das?

Peter Berry: Das Herz ist ein Meister im Verschleiern von Symptomen. Bei nicht weniger als 30 Prozent aller Herz-Kreislauf-Patienten ist der plötzliche Tod das erste, einzige und letzte Symptom.

EVIDENZIA Info: Warum spüren diese Menschen keine Beschwerden?

Peter Berry: Erstens sind nicht alle gleich empfindlich für Schmerz. Was dem einen weh tut, spürt der andere kaum. Zweitens schwächt die gestörte Durchblutung des Herzmuskels, also die Ursache des Infarktes, auch die Schmerzfasern des Herzens. Und drittens wundern sich darüber sogar Mediziner.

EVIDENZIA Info: Es kommt vor, dass Jogger oder Teilnehmer an Volksläufen plötzlich mit einem Herzschlag zusammenbrechen. Ist das Risiko bei körperlicher Anstrengung grösser?

Peter Berry: Ja, bei untrainierten Menschen ist es etwa fünfzigmal grösser als in Ruhe. Stellen Sie sich eine geknickte Benzinleitung an einem Automotor vor. Bei Standgas merken sie nichts, erst bei Vollgas stottert der Motor oder stirbt sogar ganz ab. Genauso beim Bio-Motor Herz: Im mechanisierten Alltag läuft er meistens auf minimaler Drehzahl, und bei ungewohnter Anstrengung, etwa grossem Stress oder grosser Freude, versagt er dann plötzlich.

EVIDENZIA Info: Hier könnte ein Missverständnis entstehen, etwa dass man sich schonen sollte, um sich ja nicht zu überlasten.

Peter Berry: Nichts wäre falscher. Der Knick in der Benzinleitung entsteht ja gerade durch fehlende Aktivität. Körperliches Training senkt nicht nur das Risiko für Herzinfarkt in Ruhe auf weniger als die Hälfte. Sondern auch bei grosser Anstrengung ist es nur noch doppelt so gross wie das eines Untrainierten, der im Lehnstuhl sitzt. Ohnehin ist mässige Anstrengung besser für die Gesundheit, eine Anstrengung, die das Herz auf mittlere Touren bringt.

EVIDENZIA Info: Kann man verstopfte Herzkranzgefässe nur mit Bypass-Operationen und anderen aufwendigen medizinischen Methoden reparieren?

Peter Berry: Nein. Wenn das Leben nicht unmittelbar bedroht ist, genügt eine Umstellung auf gesundes Leben, das heisst ein konsequentes Ausschalten aller Risikofaktoren. Verstopfte Herzkranzgefässe können sich dann jährlich um 10 Prozent ihres Querschnittes wieder erweitern. Das kann in manchen Fällen den Blutfluss bis um das Vierfache steigern. Damit sinkt das Herzinfarkt-Risiko unglaublich. Nur wissen das leider noch die wenigsten.

EVIDENZIA Info: Es ist also nie zu spät, sein Leben umzustellen. Aber wie schaltet man die Risikofaktoren aus?

Peter Berry: Zuerst einmal seine Risiken an den Fingern abzählen (siehe Test auf Seite ... , Red.), dann vegetarische Ernährung, eine Stunde Gehen pro Tag und Stress-Management, zum Beispiel durch autogenes Training oder eine andere Entspannungstechnik. Ganz wichtig ist auch die psychosoziale Komponente, das heisst, dass man sein Herz wieder für Mitmenschen öffnet.

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